Regenbogenkino DER KREIS

Datum/Zeit
30.01.2015
20:00

Kategorien


Das OGays-Regenbogenkino zeigt heute:

KinoDerKreisklein

DER KREIS (Schweiz 2014; Drama / Dokumentation; OMU [schwyzerdütsch mit dt. Untertiteln]; Regie Stefan Haupt; FSK ab 12; ca. 100 Min.)

 

Ort: Forumkino, Hauptstr. 111, 77652 Offenburg

Karten sind ca. 2 Wochen vorher reservierbar unter www.forumoffenburg.de

Eintritt: €6,- (bei Vorlage der Eintrittskarte gibt’s im Tabu alle Getränke an einem Abend außer samstags um €1,- günstiger!)

Startzeit 20.00

 

Ab ca. 19.00 Infostand von OGays e.V. im Kinofoyer! Schau doch mal vorbei!


Schwuler Starbesuch im Forum! Ernst Ostertag und Röbi Rapp werden sowohl am Infostand im Foyer vor dem Film anwesend sein wie auch um 20.00 im Kinosaal interviewt werden und von der damaligen Zeit und aus ihrem Leben berichten. Hinterher können gerne noch Fragen gestellt werden.

Inhalt:

 

Zürich, Mitte der 1950er Jahre. Der junge Lehrer Ernst unterrichtet an einer Mädchenschule und hält aus guten Gründen geheim, dass er an Männern interessiert ist. Er kommt in Kontakt mit der geheimen Schwulenorganisation DER KREIS und arbeitet an ihrer gleichnamigen Zeitschrift mit, die Leser in der ganzen Welt hat. Und auf einem der legendären Bälle des KREISES verliebt sich Ernst unsterblich in den Travestie-Künstler Röbi. Während die Schweizer Polizei dazu übergeht, die Zürcher Homosexuellen zu registrieren und Angst und Erpressung die bürgerliche Existenzen der KREIS-Mitglieder zu zerstören drohen, gehen Ernst und Röbi eine Liebesbeziehung ein, die ein ganzen Leben lang halten wird. „Wir sind doch keine Verbrecher“, sagt Ernst zu Röbi. Sondern zwei von vielen Menschen, die für ihr Leben und ihre Liebe kämpfen.

webDerKreis025Stefan Haupt (MORITZ) verfilmte sowohl mit Schauspielern (u.a. Marianne Sägebrecht als Mutter von Röbi und Anatole Taubmann als Felix) als auch mit Zeitzeugen die Geschichte des ersten typischen Schwulenvereines DER KREIS. Es entstand eine bewegende Mischung aus Doku und dramatischem Spielfilm. Aufhänger ist die tatsächliche Liebesgeschichte der realen Personen Ernst Ostertag und Röbi Rapp. Im Film werden beide nicht nur durch junge Schauspieler dargestellt, sie selbst kommen auch in kurzen Sequenzen zwischendurch immer wieder zu Wort und kommentieren die Ereignisse.

Und beide werden uns im Kino besuchen! Schwuler Starbesuch im Forum! Ernst Ostertag und Röbi Rapp werden sowohl am Infostand im Foyer vor dem Film anwesend sein wie auch um 20.00 im Kinosaal interviewt werden und von der damaligen Zeit und aus ihrem Leben berichten. Hinterher können gerne noch Fragen gestellt werden.

Historischer Hintergrund

Anfang der Dreißigerjahre gegründet, entstand DER KREIS in Zürich aus der frühen Schwulenbewegung des 20. Jahrhunderts. Als weltweit einzige schwule „Selbsthilfeorganisation“, die die Zeit der Nazi-Herrschaft in Europa überlebt hatte, wurde er zum Vorbild für ähnliche Organisationen in verschiedenen Ländern Europas und sogar in den USA. Gründer des KREIS war „Rolf“, ein Pseudonym für den bekannten Schauspieler Karl Meier. Dieser baute ein internationales Netzwerk auf. Sein wichtigstes Kommunikationsmittel war die Publikation DER KREIS. Nebst Kurzgeschichten, Gedichten und Fotos publizierte er in der dreisprachigen Zeitschrift auch Artikel über die Aktivitäten von Homosexuellengruppen aus der ganzen Welt – und trug damit zum internationalen Austausch bei. Unter den Abonnenten waren viele bedeutende Persönlichkeiten, deren wahre Identität aber die meisten KREIS-Kameraden ebenso wenig kannten wie die Öffentlichkeit.

Ab 1948 betrieb der KREIS in Zürich ein Mietlokal im Gebäude des heutigen Theaters am Neumarkt, einen Club, in dem sich die „Homophilen“ trafen, den Gedankenaustausch pflegten und Bekanntschaften schlossen. Der KREIS vereinigte all jene, die für die Rechte der Homosexuellen kämpften. Gleichzeitig war der Club einer der wenigen sicheren Begegnungsorte für Schwule. An den großen, regelmäßig stattfindenden Maskenbällen des KREIS nahmen in den 50er-Jahren jeweils bis zu 800 Schwule teil, die für dieses Wochenende aus ganz Europa angereist kamen.

Ab 1959 nahm in Zürich, nicht zuletzt aufgrund mehrerer Morde im „Stricher-Milieu“, die gesellschaftliche Repression zu: Die Zürcher Stadtpolizei legte Schwulenregister an und führte regelmäßige Razzien durch. Homosexuelle wurden verfolgt, verhört und misshandelt. Aufgrund eines 1960 durch den Stadtrat beschlossenen Tanzverbots für Männer mit Männern auf städtischem Boden verlor der KREIS seine wesentlichste Geldquelle, die großen Ball-Veranstaltungen. 1961 musste das KREIS-Lokal geschlossen werden. Die zusätzlichen internen Diskussionen führten schließlich dazu, dass die Zeitschrift eingestellt und die gesamte Organisation 1967 aufgelöst wurde. Erst die Zürcher Globuskrawalle lenkten 1968 das Interesse der Öffentlichkeit von den Schwulen ab: Die Polizei hatte „andere Sorgen“. Dank der wertvollen Aufbauarbeit dieser Zürcher Organisation entstanden zahlreiche Nachfolgeorganisationen im In- und Ausland, Vereine von Schwulen wie wir sie heute kennen und haben.

Kommentar von Ernst Ostertag & Röbi Rapp

ErnstOstertagundRbiRapp1956„Die Geschichte im Kinofilm „DER KREIS“ basiert auf unserem Leben und umfasst die Zeit, als wir beide etwa 25 bis 32 waren. Der Filminhalt ist aus vielen Gesprächen sowohl mit den beiden Produzenten Ivan Madeo und Urs Frey wie auch mit dem Regisseur Stefan Haupt entstanden. Das war ein langer Prozess über mehr als sieben Jahre und betraf diverse Fassungen. Stets konnten wir uns dazu äußern, konnten auf personenbezogene, inhaltliche oder chronologische Unvollständigkeiten hinweisen, bis der fertige Film vorlag.

Am Anfang stand ein klarer Entscheid, den wir sofort begrüßt und unterstützt haben: Es sollte kein intellektueller Nischenfilm über den KREIS oder uns beide werden, sondern ein Kinofilm, der ein breites Publikum anspricht. Sein Zentrum ist unsere Liebesgeschichte, die in ihrer Art in den 50er-Jahren gesellschaftliches Tabu war und nun, 60 Jahre später, bewusst die Frage aufwirft, wo und wie dasselbe Thema heute noch immer brennt.

OstertagundRappkleinWenn es dem Film gelingt, eine solche Auseinandersetzung mit den Mitteln der Unterhaltung auszulösen, können und wollen wir beide – die wir jahrzehntelang für die Rechte von Schwulen und Lesben gekämpft haben – das Projekt voll und ganz unterstützen. Das Drehbuch ist eine andere Version unserer Geschichte, aber zugleich eine Verdichtung dieser Geschichte. Sie fasziniert uns in ihrer Logik und wir fühlen die Kongruenz. Wir stehen aus voller Überzeugung hinter dem Film „DER KREIS“ und wünschen ihm, den Machern und der ganzen homosexuellen Gemeinschaft, dass er jenes breite Publikum findet, das er verdient.“

 

64. Berlinale 2014 – Panorama Publikumspreis

 

64. Berlinale 2014 – Teddy Award Bester Dokumentarfilm

Offizielle Schweizer Nominierung für den „Auslandsoscar“ 2015 („Foreign Language Film category for the 87th Academy Awards®“)

30. Schwule Filmwoche Freiburg – Publikumspreis

 

Los Angeles Outfest – Jurypreis Bester Dokumentarfilm

Boston LGBT Filmfestival – Publikumspreis

Torino Gay & Lesbian Film Festival – Bester Spielfilm

 

UND SO WAR’S: 88 Zuschauer, Notendurchschnitt 1,16 – bislang zweithöchste Zuschauerzahl und beste Bewertung!

 

Als wir nach einem leckeren Abendessen zusammen mit unseren Gästen, Ernst und Röbi, gegen 19.00 im Kinofoyer ankamen, erwarteten uns bereits die ersten Neugierigen an unserem OGays-Infostand. Ernst und Röbi konnten es sich in einer Sitzecke gemütlich machen, wurden von der Badischen Zeitung interviewt, gaben Autogramme, standen geduldig Fotomodell und erzählten jedem, den es interessierte, über den Film und aus ihrem Leben.

Um 20.00 dann wurden beide im Kinosaal auf der Bühne vor der Leinwand von Dieter, einem Redakteur der Schwulen Welle (Radio Dreyeckland Freiburg), interviewt. Wir erfuhren viel zum Dreh und der Entstehung des Filmes und bekamen erst mal einen kurzen Überblick, was es mit dem „Kreis“ eigentlich auf sich hatte. Danach wurde der Film gezeigt, an dessen Ende es kräftigen Beifall vom Publikum gab. Die Mischung aus Doku und Spielfilm erwies sich als überaus spannend und bewegend.

Moderiert von unserem Vorsitzenden, Ralf, wurden dann noch zahlreiche Fragen seitens der Zuschauer an Ernst und Röbi gestellt. So erhielten wir noch viele interessante Einblicke in die Geschichte der Beiden, erfuhren Lustiges wie Trauriges und nahmen Anteil an ihrem Rezept, wie es klappt, nun schon fast 60 Jahre zusammen zu bleiben. Außerdem wurde noch je ein Exemplar ihrer Biografie „Verborgene Liebe: Die Geschichte von Röbi & Ernst“ sowie „Der Kreis – eine Sammlung“, ein dicker ganz neu erschienener Band mit Texten und (unzensierten) Bildern aus den historischen Heften des Vereines „Der Kreis“, unter den Zuschauern verlost.

Zum Ausklang seilten sich noch Einige gemeinsam mit Ernst und Röbi in das Kellergewölbe der benachbarten Gay-Bar „Tabu“ ab, wo noch weiter gemütlich getrunken und geplaudert wurde bis es sehr, sehr spät war. Es war ein supercooler Abend mit den Beiden, weshalb wir uns auch an dieser Stelle nochmals sehr herzlich bei Ernst und Röbi bedanken möchten, dass sie zu uns gekommen sind!

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